Jugendgewalt: Über Ängste, Vorurteile und Statistik

Müssen wir in Angst und Schrecken vor Jugendgewalt leben?
Müssen wir in Angst und Schrecken vor Jugendgewalt leben?

Wird die Jugend immer gewaltbereiter? Häufen sich Ereignisse wie das Massaker an der Columbine Highschool oder der Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt? Wird es wieder passieren?

 
  • «Die Einschätzung Jugendliche seien gewaltbereiter diskriminiert eine ganz Altersgruppe»

Vornehmlich aus den Vereinigten Staaten ereilten uns Meldungen über jugendliche Attentäter welche grausame Massaker an Schulen verübten. Wir erinnern uns alle an den Amoklauf an der Columbine Highschool in Colorado im Jahr 1999. Die Betroffenheit war auch hier in Europa gross, aber Sorgen mussten wir uns eigentlich keine machen, denn die Motive und Tatbedingungen waren schliesslich mit dem lockeren amerikanischen Waffengesetz hausgemacht. Aber dann war es doch so weit. Am Vormittag des 26 April 2002 betrat ein Jugendlicher namens Robert Steinhäuser das Gutenberg-Gymnasium in Erfurt und tötete 17 Menschen.

Der Amoklauf von Erfurt löste in Deutschland einen Schock aus. Trotz restriktiver Waffengesetzgebung konnte so etwas in Deutschland passieren. Auf der Suche nach den Ursachen und den Schuldigen fand man beim Täter zu Hause Gewaltspiele und Gewaltvideos - und somit konnte die Politik ausatmen. Denn Medien und Bevölkerung wollten Erklärungen wie so etwas in Deutschland passieren konnte und das Versprechen, dass so etwas in Zukunft nicht mehr vorkommen kann - und die Politik lieferte der Bevölkerung was sie wollten. Es wurden Anpassungen gemacht am Jugendschutzgesetz, am Waffengesetz, an Schulgesetzen und am Thüringer Polizeigesetz.

Im November 2007 war es wieder so weit, ein durchgeknallter Gymnasiast erschiesst in Finland acht Menschen und kündigt seine Tat PR-gerecht zuvor auf Youtube an. Letztes Jahr zeigte eine Gruppe Schweizer Schüler in München, dass Schweizer Jugendliche auch gewalttätig sein können, und die Medien halten seitdem die Suppe am kochen.

Nun kommt der Wendepunkt in meinem Beitrag. Anstatt hier nun zu schreiben, dass die "Welle der Gewalt" immer näher kommt und uns eher früher als später überrollen wird, werfe ich lieber einen Blick in die Schweizer Kriminalstatistik. Und siehe da - keine Spur von einer Zunahme der Anzeigen oder Verhaftungen Jugendlicher in Zusammenhang mit Gewaltverbrechen. Im Gegenteil: Gegenüber 2007 haben die Anzeigen wegen Körperverletzung im 2008 um fast 10% abgenommen und für Minderjährige Täter sogar um 26%. Deshalb machte mich dieses Kommuniqué vom Eidgenössischen Polizei- und Justizparlament etwas stutzig:

«Mehrere Vorfälle schwerer Jugendgewalt haben in der Bevölkerung die Befürchtung aufkommen lassen, die Gewaltbereitschaft Jugendlicher habe massiv zugenommen. Die Statistiken erlauben zwar keinen genauen Aufschluss über das Ausmass der Jugendgewalt, da sie das Dunkelfeld der Kriminalität nicht erfassen. Sie legen aber den Schluss nahe, dass die Gewaltbereitschaft Jugendlicher deutlich angestiegen ist».

Da kann ich nur sagen: Liebes EJPD, gebt doch eure Kriminalstatistik dem dafür kompetenten Bundesamt für Statistik ab. Dem BFS wäre es nie in den Sinn gekommen bei dieser Faktenlage so eine Aussage zu machen. Natürlich wird im Dunkelfeld nichts erfasst - aber nichts desto trotz hoffen wir doch, dass unser Polizeikorps über die Jahre so zuverlässig arbeitet, dass die Dunkelziffer konstant geblieben ist und auch bleiben wird.

Aber mit etwas liegt das EJPD ganz richtig. In der Bevölkerung scheint der Eindruck entstanden zu sein, dass die Jugend immer gewaltbereiter wird. Wie ist dieser Eindruck entstanden? In den Siebzigern haben Psychologen dieses Phänomen in der Verfügbarkeitstheorie (Availability) beschrieben. Menschen schätzen das Eintreten eines Ereignisses als umso wahrscheinlicher ein, je mehr Informationen sie darüber verfügen. In den Medien werden katastrophale Ereignisse bevorzugt - weshalb die Menschen das Eintreten solcher Ereignisse als wahrscheinlicher einschätzen als sie es in Wirklichkeit sind.

Wenn man also vor und nach dem Amoklauf in Erfurt eine Umfrage gemacht hätte, wie wahrscheinlich es sei, dass ein Schulmassaker wie dasjenige an der Columbine Highschool auch in Deutschland passieren könnte, würden wir eine markante Verschiebung feststellen. Tatsache ist, dass es sich hierbei um ein isoliertes Ereignis handelt. Einem einzelnen Individuum sind die Sicherungen durchgebrannt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein solches Ereignis wiederholt ist unverändert gleich geblieben.

Aber es gibt noch dutzende Beispiele von Einschätzungen die an der Realität vorbeischiessen. Wie der Raucher, der das Gefühl hat ihm schade das Rauchen nicht, weil sein rauchender Grossvater hundert Jahre alt geworden ist. Wie der flugängstliche Torhüter der tausende Kilometer gefährliche Autobahn fährt, weil er nicht vom Himmel fallen will. Wie die besorgte Mutter die sich für ein Verbot von Killerspielen einsetzt, weil sie ihre Kinder vor Gewalt schützen möchte.

Ich möchte hier niemanden auf den Schlips treten, und ich möchte auf keinen Fall Katastrophen wie diejenige in Erfurt bagatellisieren. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass die deutschen Medien und die deutsche Politik aufgrund eines Einzelfalles die Aufmerksamkeit auf Computerspiele als Auslöser von Gewalt gelenkt haben. Das ist in der Tat nichts anderes als die Hexenverfolgungen im dunklen Mittelalter - denkt mal darüber nach.

Jugendgewalt bekämpft man nicht in dem man etwas weg nimmt – sondern in dem man etwas gibt. Sehr geehrte Politiker und Politikerinnen, gebt der Jugend wieder Hoffnung. Nehmt der Jugend die Angst das Leben nicht meistern zu können. Unterstützt die Familien, sorgt für Ausbildungsplätze und für eine erfolgreiche Integration ausländischer Jugendlicher. Aber nehmt den Jugendlichen nicht noch einer ihrer letzten Freuden weg, nur weil Ihr sie nicht verstehen könnt. Lasst der Jugend ihre Computerspiele.

Foto steht unter einer CC-Lizenz, vielen Dank an publik16

     
     
    
    
    
    
    Bild von Renate Laubscher

    Gewalt unter Jugentlichen

    Ich brauche Hilfe !!!!
    Meine Tochter,23, war heute Abend Unterwegs, als sie sich für einen Moment von Ihrer Kollegin Entfernte, kamen Plötzlich 3 junge Frauen auf sie zu und fingen an sie zu Verprügeln. Ein ehemaliger Kollege, meiner Tochter, kam per Zufall auf diese Prügelei und Entriss diese 3 Frauen von meiner Tochter los, sie floh zurück zu Ihrer Kollegin, wo sich auch etliche Menschen befanden da in Lyss gerade das Wheinachts Wochenende plus Etliche Feste läuft.
    Meine Tochter hat eine Beule am Hinterkopf und will diese Jungen Frauen auf keinen Fall Anzeigen.
    Ihre beste Kollegin und deren Kollegin mussten auch schon diese Schmerzliche Erfahrung hinter sich ergehen lassen, sie wollten sie zu seiner Zeit Anzeigen, wurden daraufhin Massiv Bedroht - Telephonisch sowie übers Facebook oder andere Sachen.
    Meine Tochter meint ich kann dann nie mehr aus dem Haus und sie finden heraus wo ich Wohne sie Lauern einem auf Sie werden wider Zuschlagen und und und!!!
    Eine Frage wieso kann man " Unsere " Kinder vor solchen Situationen nicht Schützen, wo sind wir dass ich Hiflos zuschauen muss was da um uns herum Passiert. Ich würde sofort diese Jungen Frauen Auffordern auf zu hören mit Ihnen Aufzeigen wass alles auf sie zukommt, diese Personen machen das schon längere Zeit und allen die das Erleiden und Erdulden müssen kann man nicht Helfen weil Angst und Panik da sind ; vor 3 Jungen Frauen die nicht zurück schrecken Gewalt anzuwenden nur weil gerade dieser Mensch das falsche Gesicht oder am falschen Ort ist oder weil es Ihnen Freude Bereitet.
    Gibt es Orte wo man sich Melden oder Wenden kann gibt es ein Gesetz das unsere Kinder Schützen könnte ( ohne lehren Versprechen ) ich weiss es nicht Vielleicht haben Sie mir einen Namen - Adresse wo mir und vielen anderen mit Rat und Tat zur Seite stehen können.
    Mit freundlichen Grüssen R.Laubscher