Warum mit Drupal und nicht einfach mit Wordpress bloggen?

Nicht ganz einfaches Handling aber es lohnt sich
Nicht ganz einfaches Handling aber es lohnt sich

Nachdem ich für die Erstellung dieser Webseite vier Monate lang Drupal Dokumentationen gelesen, probiert und probiert habe um dann wiederum zu lesen, möchte ich die Erfahrung hier niederschreiben. Vielleicht bekommt ja plötzlich noch jemand Lust auf Lesen und Probieren.

 
  • «Von der Dateneingabe bis zur Datenausgabe hundertprozentige Flexibilität»
Mit CCK ein Feld für den Itunes Subtitel erstellt
Mit CCK ein Feld für den Itunes Subtitel erstellt
Das Itunes Subtitlefeld aus sicht des Redaktors
Das Itunes Subtitlefeld aus sicht des Redaktors
Das Feld Itunes Subtitle wird hier mittels View in einem Feed ausgegeben
Das Feld Itunes Subtitle wird hier mittels View in einem Feed ausgegeben

Dies sollte keine Anleitung sein, wie man ein Blog mit Drupal erstellt, von denen gibt es schon ein paar. Vielmehr möchte ich den Fokus auf das Erlebnis Drupal richten, und mich bei einigen Personen der Drupalgemeinschaft bedanken - die mir ohne es zu wissen viel geholfen haben.

Die Vorgeschichte

Bereits vor einigen Jahren hatte ich ein Auge auf Drupal geworfen. Ich war damals zum ersten Mal auf der Suche nach einem CMS. Mit moderaten HTML- und CSS-Kentnissen scheiterte ich aber damals schon früh, und entschied mich für das weitaus einfachere CMS Joomla. Nach Jahren hatte ich aber das Blogbasteln mit Joomla satt. Ich versuchte mich an Wordpress, schrieb ein paar Templates, integrierte Podcastingfähigkeiten mit einem Plugin welches das nächste WP-Update leider nicht überlebte. Dazu kommt, dass der WP Templatedesigner nicht gerade grenzenlose Freiheiten besitzt - nur soviel: wer kommt auf die Idee eine Sidebar als Liste zu formatieren (und Teile davon noch hartkodiert)?

Was neues musste her, und das Kriterium stand nun auf grenzenlose Flexibilität. Auf meinem lokalen Server spielte ich mit dem CMS/Framework MODx herum - das Prinzip war gut, und eine neue Version für PHP5 war angekündigt - da war ich überzeugt, dass sich das Warten lohnen würde. MODx Revolution kam aber nie, und inzwischen bezweifle ich ob es jemals veröffentlicht werden wird. Aber da war doch noch das CMS mit dem blauen Tropfen im Logo.

Auf der Suche nach Freiheit und Flexibilität

Inzwischen waren meine XHTML und CSS-Kenntisse gut und ich hatte mir sogar moderate PHP- und MySQL-Skills zugelegt. Die Zeit war reif - Drupal ich komme. Ich wusste aus der ersten Begegnung, dass man ausschliesslich mit try-and-error nicht ans Ziel kommt. Deshalb habe ich mir die ausführliche Einsteigerdokumentation zu Gemüte geführt und erst dann Drupal 6.x lokal installiert und eingerichtet. Ich musste aber schnell merken, dass Drupal von sich aus wenig Funktionalität mit sich bringt, dafür aber ganz einfach erweiterbar ist.

So bringt Drupal gar kein Handling für Bilder mit, dafür müssen Module her. Es gibt ein Modul für Bildmanipulationen, es gibt Module für den Bildupload und es gibt Module für das Anzeigen von Bildern - und diverse Kombinationen. Das hört sich kompliziert an, ist es auch. In dieser Phase machten sich erste Frustrationen breit, und ich kann mir vorstellen wie hier der einte oder andere Drupal den Rücken gekehrt hat. Ich blieb aber dran, denn plötzlich entdeckte ich was Drupal zum mehrfachen Gewinner der CMS Awards gemacht hat - die Module Content Construction Kit (CCK) und Views.

Das Content Construction Kit (CCK)

CCK gibt mir die vollständige Kontrolle über das was erfasst werden soll und wie. So können Interfaces für den Dateiupload gestaltet werden für zum Beispiel Bilder, Videos, Audio oder oder andere Dateien. CCK bietet einerseits vorgefertigte Eingabefelder für z.B. Emailadressen oder Bild- oder Dateiupload. Diese Felder kann man für einen bestimmten Inhaltstyp aktivieren. Andererseits können auch eigene Felder einfach erstellt werden. So habe ich zum Beispiel Felder des Typs Text mit den Namen Einleitung, Haupttext und Slogan erstellt. Diese drei Felder erscheinen in der Eingabemaske des Inhaltstyps, z.B. Blogbeitrag. Wenn der Beitrag gespeichert wird, werden diese Werte in der Datenbank unter den Feldnamen abgespeichert. Dann muss ich nur noch ein Template erstellen in dem die Werte abgerufen werden, schön in XHTML verpacken, CSS-Klassen zuweisen und gestalten. So können verschiedene Inhaltstypen (z.B. Podcast, Fotogalerie, etc) total individuell gestaltet werden. Zugegeben, hier sind rudimentäre PHP-Kenntnisse von Vorteil.

Träume werden wahr: Das Views Modul

Während CCK für grenzenlose Flexibilität in der Datenerfassung sorgt, bietet Views grenzenlose Flexibilität in der Ausgabe, beziehungsweise in der Darstellung der Daten. Views ist gigantisch und einfach das Grösste was ich bisher in Händen halten durfte. Mit Views können Inhalte (z.B die mit CCK erstellten Feldern, wie mein Slogan) in unterschiedliche Formate ausgegeben werden. So könnte ich einen Block für die Sidebar erstellen, wo für jeden Beitrag der passende Slogan erscheint. Ich kann individuell gestaltete RSS-Feeds erstellen, wie z.B unser iTunes-Feed. Ich kann aber auch ganze Webseiten mit Views gestalten. Und was ganz toll ist, ich kann die Ausgabe der Inhalte an Bedingungen knüpfen, so habe ich auf blogmmix den related content Block mit Views erstellt - tolle Sache.

Die Antwort: weil es sich lohnt

Damit möchte ich auf die eingangs gestellte Frage zurückzukommen. Drupal ist eine eierlegende Wollmilchsau. Durch CCK und Views wird eine ganz neue Sicht auf das Machbare eröffnet. Während ich mich mit anderen CMS davor wie in einem Korsett fühlte, sehe ich jetzt plötlich neue Dimensionen, neue Anwendungsmöglichkeiten. Mit Drupal scheint das Machbare nur noch durch die Phantasie begrenzt - diese Begrenzung aufzulösen ist die weitaus schwierigere Aufgabe als Drupal zu verstehen. Obwohl auch letzteres ein paar Monate lesen, probieren und wiederum lesen voraussetzt.

Dazu kommt das wirklich ausgereifte User-, Rollen und Rechtemanagement von Drupal, mit dem sich richtige Portallösungen erstellen lassen. Damit lässt sich aber auch hervorragend die Komplexität der Userinterfaces reduzieren, wodurch wirklich jede Rolle einen optimalen Workflow erleben kann.

Tipps für zukünftige Drupalianer

Wer jetzt so begeistert ist, dass er am liebsten grad mit Drupal loslegen möchte, dem sei gesagt, dass demnächst Drupal 7 an den Start geht. In Dupal 7 soll CCK und Views schon zentraler Bestandteil sein und auch das Mediahandling soll verbessert worden sein.

Viele Personen und Webseiten waren mir mit ihren Beiträgen eine grosse Hilfe Drupal zu lernen und zu verstehen. Drei von ihnen möchte ich besonders weiterempfehlen. Einerseits der englischsprachige Video Podcast von Mustardseed, der ebenfalls englischsprachige Screencast von WorldFallz , Hagens Grafs cocoate und last but not least Rapslis Drupal World - danke schön.

 
 


Bild von Das Erlebnis Drupal | Mancave.de

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[...] Ein Blogpost fasst allerdings alles zusammen, was ich so toll an Drupal finde. Hier der Link: http://blogmmix.ch/kategorie/praxis/warum-mit-drupal-und-nicht-einfach-m... Diesen Beitrag bookmarken/suchen [...]

Bild von Alex

CMS

Hallo,
Dies ist der erste Post, den ich von dir lese. Hat mir gut gefallen. Ich bin allerding ein Wordpress Anhänger, denn die Endnutzer, schaffen es mit Drupal und Joomla nicht, selbst Updates vorzunehmen. Mit WP ist dies um einiges Intuitiver.

Bild von suldan

Hallo Alex Es ist genau wie

Hallo Alex
Es ist genau wie du sagst. Wordpress ist für den Endnutzer erschaffen, und ist wirklich ein geniales Werkzeug, das meistens das tut was man von ihm verlangt. Drupal ist vielmehr ein Werkzeug mit dem man z.B. ein Blogtool (analog zu WP) erschaffen kann. Aber bis ein Anfänger so ein Tool mit Drupal erstellt hat, dass annähernd das kann was WP kann, ist er zwei Jahre älter geworden. Aber Drupal updaten ist einfach und intuitiv.