Beste Umsetzung eines Schweizer Magazins auf dem iPad

Schweizer Illustrierte auf dem iPad bietet Mehrwert

Der teuerste Praxistest bisher, vor allem wegen der Verwechslung der «Schweizer Illustrierte» mit der «Schweizer Familie».
Der teuerste Praxistest bisher, vor allem wegen der Verwechslung der «Schweizer Illustrierte» mit der «Schweizer Familie».

Die Schweizer Illustrierte (SI) auf dem iPad macht richtig Spass. Schade, dass mich die Inhalte nicht interessieren, denn die SI-App ist die bisher konsequenteste Umsetzung eines Schweizer Printtitels.

 
  • «Ich würde die «Schweizer Illustrierte» nur noch auf dem iPad lesen… wenn ich sie denn lesen würde.»
Hoch- und Querformate stellen jeweils andere Inhalte dar.
Hoch- und Querformate stellen jeweils andere Inhalte dar.
Zum Teil wird sogar in Fotos die sequenzielle Ebene verlassen: Auf einer Karte gibt es weitere Bilder zu Ortschaften.
Zum Teil wird sogar in Fotos die sequenzielle Ebene verlassen: Auf einer Karte gibt es weitere Bilder zu Ortschaften.
Ein Klick auf das Artikel-Bild führt zu einer anderen Szene.
Ein Klick auf das Artikel-Bild führt zu einer anderen Szene.

Nicht mehr in den Charts, trotzdem top

In den letzten paar Wochen haben einige Schweizer Verlage gedruckte Angebote auf das iPad portiert. Aber die Lösungen, wie sie NZZ, Sonntagszeitung oder AZ Medien anbieten, sind nur E-Reader-Versionen, und einige davon von ungenügender Qualität (NZZ, AZ). Dabei gibt es auch ein schon älteres Angebot, über das ich zufälligerweise vor paar Tagen gestolpert bin, nämlich das der «Schweizer Illustrierte». Es existiert schon seit August und ist deswegen aus den Top Charts des App-Store verschwunden.

People-Magazine versehentlich im Doppelpack

Nun bin ich über das Wochenende zum People-Magazin-Leser mutiert. Ich habe mir nämlich zunächst die Printversion der SI am Kiosk gekauft, um die Inhalte zu vergleichen. Leider stimmte da am Anfang gar nichts überein. Ich befürchtete bereits, die App hinke der Kioskversion hinterher. Doch die Sache hat sich schnell aufgeklärt – dummerweise hatte ich am Kiosk die «Schweizer Familie» gekauft. Die Titel sehen sich aber auch zum Verwechseln ähnlich. Damit wird der Test der SI zu meinem bisher teuersten Praxistext. Aber irgendwie hat es sich trotzdem gelohnt, denn vom Angebot der SI bin ich ziemlich begeistert.

Quer- und Hochformat ist nicht das gleiche

Zunächst einmal ist die iPad-Version der SI auch wirklich konsequent für das iPad gedacht. Die Bilderstrecken sind sehr schön aufgemacht und eine Art «Infobox» oder «Mehr zum Thema» bietet weitere Bilder, eigene Videos und sogar externe Links oder externe Videos (YouTube). Das ist eine gute Grundlage für Querverweise. Der Inhalt bleibt nicht abgeschlossen. Schön gelöst ist, dass die Links in der App geöffnet werden und das Programm nicht verlassen wird, vor allem im Moment, da es auf dem iPad noch kein Multitasking gibt. Eher gewöhnungsbedürftig ist, dass Quer- und Hochformat andere Inhalte anzeigen. Im Hochformat gibt es pro Artikel nur eine Seite – mit Anrissbild und Text zum Scrollen. Im Querformat gibt es dann das ganze Paket zum Wischen – zuerst die einzelnen Bilder, erst dann der Text und Zusatzinfos. Lesen und blättern muss man die SI also eigentlich im Querformat. Das ist ein anderer Ansatz als etwa derjenige von «Wired». Das englischsprachige Magazin zeigt im Hoch- und Querformat genau das Gleiche an, einfach mit anderem Layout. Die Konzeption der SI kann man mögen oder nicht, aber der Leser muss sich daran gewöhnen. Was aber grundsätzlich gefällt, ist die Möglichkeit, im Hochformat schnell durchzublättern. An einer interessanten Stelle angelangt, wird einfach das iPad umgedreht und im Querformat bewegt man sich dann innerhalb eines Artikels zu den einzelnen Fotos, Texten und Zusatzinhalten.

Mehrwert

A propos Zusatzinhalte: Im direkten Vergleich mit der Printausgabe wird schnell deutlich, dass auf dem iPad mehr vorhanden ist. Viele zusätzliche Fotos, Videos, laut Beschreibung auch Audiofiles (habe ich allerdings noch nicht gefunden) und eben, ganz wichtig, auch weiterführende Links. Die zusätzlichen Fotos, ebenso wie die Videos, machen bei einem People-Magazin sicher Sinn. Und es geht dabei nicht um lieblose Resteverwertung, sondern um echten Mehrwert. Wenn ich die «Schweizer Illustrierte» lesen würde, dann würde ich ziemlich sicher auf die iPad-Version umstellen. Und hätten Blick, Weltwoche oder NZZ eine ähnlich konzipierte iPad-App, würde ich sie abonnieren. Schön bei der SI-App ist zudem, dass viele Zusatzinhalte, vor allem Fotos, nicht nur sequenziell benutzt werden müssen, also die Fotos sich nicht auf einfache Galerien beschränken. Es gibt Übersichtsfotos – beispielsweise Karten, auf denen weitere Fotos anwählbar sind. Erwähnenswert ist schliesslich noch, dass die Schriftgrösse frei skalierbar ist, für mich ein Muss-Feature.

Zusätzliche Produktion mit viel Aufwand

Beim Testen der SI-App erinnerte ich mich an das Gespräch mit Gerrit van Aaken, als er meinte, dass sich wirklich ausgereifte iPad-Konzepte eher Wochen- oder Monatsmagazine leisten könnten, weil der Aufwand für eine konsequente Umsetzung hoch sei. Dies ist auch bei der SI der Fall, die mir auf Anfrage erklärte, dass alleine 300 Stellenprozente zusätzlich für die Produktion der iPad-Version eingesetzt werden. Leider liegen zu den verkauften Ausgaben keine offiziellen Zahlen vor, was doch ziemlich interessant wäre. Es ist zu vermuten, dass sich die iPad-Ausgabe für die SI noch nicht lohnt. Ginge man nämlich davon aus, dass pro Woche und Ausgabe ein Aufwand von 10'000 Franken entstände, bräuchte es mindestens 3000 regelmässig zahlende Leser, die pro Ausgabe drei Franken berappen (4.40 Franken pro Ausgabe, minus 30 Prozent App-Store-Gebühr). Doch ob von den 50'000 iPad-Besitzern in der Schweiz aber auch wirklich 3000 People-Magazin-Leser sind?

Links

 
 


Bild von Javier Vázquez

Danke

Hallo Tobias

Vielen Dank für die Lorbeeren! Wir freuen uns, dass wir dich durch unsere iPad-Ausgabe zum People-Magazin-Leser konvertieren konnten. ;-)

Wir arbeiten weiterhin mit Hochdruck an der Weiterentwicklung der SI iPad Ausgabe. In den nächsten Wochen und Monaten werden wir die Resultate aus Usability-Tests und Feedbacks der User einfliessen lassen, was weitere Verbesserungen an der App mit sich bringen wird. So ist z.B. auch ein Abo-Feature in der Pipeline.

Dank Verbesserungen an der Bildkompression, wird der Download einer Ausgabe schneller und Andy Hostettler (persoenlich.com) wird immer weniger Zeit finden in der Nase zu bohren...

Saludos

Javier Vázquez
Projektleiter SI iPad