Vorher habe ich mein Musik-, respektive Radio-Setup über meinen Mac verwaltet – mit drahtlosem Streaming über eine Airport-Express Station an die Aktiv-Lautsprecher in Wohnzimmer und Küche. Und mit dem iPod Touch war das ganze auch fernbedienbar. Trotz dieser «hochtechnischen» Einrichtung habe ich mittlerweile viel mehr Freude am Evoke Flow von Pure. Es ist eher wieder ein sinnliches Erlebnis. Ein eleganter, kleiner, schwarz-pianolackierter Kasten, der auch wie ein Radiogerät aussieht – etwas so, wie ein Radiogerät in meiner Jugend ausgesehen hat. Und mit dem Zusatzlautsprecher spielt das Gerät auch ordentlich Ton. In der Grundausführung spielt der Evoke Flow Mono, mit dem Zusatzlautsprecher gibt es das Erlebnis dann ich Stereo. Gerade für Wortbeiträge, egal ob Nachrichten oder Podcast, finde ich die Qualität des Flow besser als das bassintensive Aktiv-Lautsprechersystem, das bisher für die Musik im Haus gesorgt hat. Nun habe ich also mein sinnliches Radioerlebnis wieder. Aber natürlich muss auch ein Stück moderne Technik drin sein, um in Notsituationen, also wenn einem das Radio wieder mal richtig auf den Wecker geht, ausweichen zu können. Und da verbergen sich unter der Haube des Evoke Flow drei ganz geile Funktionen.
Einmal sind, wie erwartet, Internet-Radiosender verfügbar. Aber zusäztlich gibt es auch Zugriff auf Podcasts. Und das ganze kann man über die Pure-Internetseite «the lounge» verwalten. Falls der gewünschte Sender nicht verfügbar ist, kann er einfach mit der Streaming-Adresse hinzugefügt werden. Ähnlich geht es mit den Podcasts. Von solchen, die nicht in der «Lounge» sind, schickt man einfach die Feed-Adresse an Pure, und spätestens 48 Stunden später sind sie geprüft und über den Server-Dienst «the lounge» verfügbar. Dies funktionierte bei meinen eingereichten Podcasts einwandfrei. Und schliesslich wird eine Serversoftware mitgeliefert, über die man zum Beispiel auf die in iTunes verwalteten Musik-Dateien Zugriff hat, respektive auf die entsprechende Ordner-Struktur. Die perfekte Dreifaltigkeit, mit Internet-Radio, Podcasts und dem Media-Server.
Natürlich ist die Bedienung nicht ganz so einfach, wie mit der Remote App von Apple, mit der ich vorher iTunes drahtlos bediente. Der Evoke Flow hat nur zwei grosse runde Knöpfe und drei Touch-Tasten. Mit dieser Kombination gibt es dafür kein langes Herumsuchen, welchen Knopf für welche Funktion zu drücken ist. Die Dreh- und Druckknöpfe sprechen sehr schnell an, auch die Touch-Tasten sind guz zu bedienen. Aber die Bedienlogik ist ein bisschen «fummelig», wenigstens am Anfang. Ich habe mich schnell daran gewöhnt. Und das schicke, kleine Gerät wiegt den Komfortverlust gegenüber iTunes schnell auf – und, positiv gesehen, nehme ich mir wieder mehr Zeit, einmal einen Podcast oder eine Radiosendung ganz zu hören, anstatt TV-ähnlich rumzuzappen. Mein Nutzungsverhalten bezüglich Radio, Musik und Podcasts hat sich «beruhigt» und ist zu einem angenehmeren Hörerlebnis geworden. Und, im Gegensatz zum iTunes Setup, muss jetzt auch dieses schwerfällige Stück Software Namens iTunes nicht mehr laufen.
Der Pure Evoke Flow ist leider nicht ganz frei von Fehlern. Das Gerät ist auch schon abgestürzt. Podcasts spulen ist auch eher mühsam, weil beim Spulen nicht die Zeit angezeigt wird, sondern nur der Fortschritt in Prozent. Diese zwei Punkte sind nicht gut, aber die einzig negativen, die mir in der Praxis bisher aufgefallen sind. Die seltenen Abstürze werden hoffentlich mit einem Update gelöst. Für weitere technische Details habe ich zwei Testberichte verlinkt. Dieser Praxis-Einblick soll ja kein technischer Test sein, sondern vor allem mein Nutzungserlebnis schildern. Ich gebe dem Evoke Flow trotz der Probleme eine hohe Punktzahl. Wäre der Evoke Flow ein Hotel, wäre die Kategorie ein Vier Sterne Plus – weil mein Hörerlebnis angenehmer und sinnlicher ist, weil das Teil ziemlich gut tönt und mit einem zusätzlich zu kaufenden Akku portabel wird. So ist der Flow neben dem Wohnhimmer mittlerweile auch auf dem WC, auf dem Balkon oder in der Sauna im Einsatz (in der Sauna natürlich auf dem Boden, wo es weniger feucht und heiss ist).
Krtische Rezension auf amazon.de