Rekordumsatz trotz Gratiskultur

Patrick Boschung vom Bad Bonn über teurere Bands
Patrick Boschung vom Bad Bonn über teurere Bands

Weniger CD-Verkäufe, ein paar bezahlte Downloads und teurere Konzerte – so lautet einfach formuliert der gegenwärtige Trend im Musikbusiness. Ähnlich, und doch anders, machen es Nine Inch Nails – gratis und sehr erfolgreich.

 
  • «Our goal is to put the best tickets in the hands of the fans and not in the hands of ticket scalpers (NIN)»
«Ghosts» von NIN war meistverkaufte mp3-Album im Jahr 2008 auf amazon – trotz Gratis-Möglichkeit
«Ghosts» von NIN war meistverkaufte mp3-Album im Jahr 2008 auf amazon – trotz Gratis-Möglichkeit

Der Trend geht zu teureren Konzerten. Dies merken auch die kleineren Konzertveranstalter, wie zum Beispiel das Bad Bonn in Düdingen. Und – der Trend geht trotz höheren Preisen zu immer mehr Konzert-Besucher. So war 2009 die Bad Bonn Chilbi, ein kleines Independent Festival im Kanton Freiburg, zum ersten Mal in seiner Geschichte im Vorfeld ausverkauft. Und das trotz höheren Preisen.

Letzter physischer Kontakt

Ich denke, dass mit dem Wegfallen von physischen Datenträgern die Konzerte noch eine letzte Möglichkeit sind, eben physisch in Verbindung mit der Musik zu sein. Aber eben, für Konzerte muss mehr Geld ausgegeben werden – weil die Bands für die Konzertveranstalter teurer werden. Dies hat Patrick Boschung vom Bad Bonn bestätigt. Ich habe ihn am Rande der Bad Bonn Chilbi im Mai 2009 getroffen und gefragt, ob er als Konzertveranstalter die Veränderungen im Musikbusiness auch spürt. «Im Club während dem Jahr mit eher unbekannten Bands bleiben die Gagen eigentlich unverändert. Im Gegensatz zur Chilbi mit bekannteren Bands», meinte Patrick Boschung. Er glaubt aber nicht, dass der Verlust aus CD-Verkäufen mit Konzerten aufgewogen werden kann. Und er macht für den gegenwärtigen Aufwärtstrend der Preisspirale zum Teil auch die Veranstalter selber verantwortlich. «Wenn immer mehr bezahlt wird, dann gewöhnen sich die Bands daran und verlangen immer mehr.» Aber auch die Bad Bonn Chilbi kann sich dem nicht ganz entziehen. Im 2008 kostete der teuerste Abend 60 Franken, im 2009 der Sonntagabend mit den Headlinern «Sonic Youth» sogar 80 Franken – ein Festival notabene, wo sonst ein Abend nicht mehr als 40 Franken kostet.

Alternative Wege

Konzerte werden für die Bands wieder wichtiger – alleine reichen die Konzerte natürlich nicht, um den Verlust aus dem CD-Markt auszugleichen. Wie man das Verkaufen von speziellen Erlebnissen konsequent weiterführen kann, zeigt das Beispiel von Nine Inch Nails. Die verkaufen nämlich Produkte, die nicht kopierbar sind. Zum Beispiel exklusive Konzert-Packages in verschiedenen Ausführungen. So beinhalten gewisse Tickets Backstage-Zugang oder sogar ein Essen mit der Band nach einem Auftritt. Diese speziellen Tickets sind vorgängig für angemeldete Members auf nin.com verfügbar. «Our goal is to put the best tickets in the hands of the fans and not in the hands of ticket scalpers and/or brokers», wie NIN auf ihrer Webseite schreiben. Und damit erweisen NIN ihren Fans nicht nur einen guten Service, sondern vor allem Respekt – und nehmen so ihre Fans ernst.

Das meistverkaufte Album – obwohl legal ganz gratis

NIN bieten weitere Services für ihre Fans an. Im Jahr 2008 wurde das vierteilige Studioalbum «Ghosts» unter einer Creative Commons Lizenz gratis zum Download ins Netz gestellt. Daneben wurde dieses Album aber in weiteren Formaten angeboten. Als CD-Set, eine Deluxe-Version mit CD's und DVD, und eine Limited Edition mit zusätzlich Bildbänden und die Alben auf Vinyl gepresst. Die Limited Edition kostete 300 Dollar, war auf 2500 Exemplare limitiert – und ist ausverkauft. Trotz Gratis Songs wollten sich mindestens 2500 Fans ein spezielles Erlebnis leisten – und brachten NIN 750'000 Dollar ein. Und – das Ghosts-Album war 2008 das meistgekaufte mp3-Album auf Amazon. Das muss man sich einmal vorstellen: Das Top-Album auf amazon – obwohl es das ganze auch ganz legal gratis gab. NIN verdienen also nach wie vor Geld – und das ohne Plattenfirma, aber indem sie ihre Fans ernst nehmen und Mehrwert bieten.

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