NZZ auf dem iPad hinterlässt Ratlosigkeit

Die mangelhafte Auflösung der NZZ-App ist vor allem in Bezug auf die Schrift problematisch
Die mangelhafte Auflösung der NZZ-App ist vor allem in Bezug auf die Schrift problematisch

Endlich! Die NZZ hat eine iPad-Applikation lanciert. Endlich gibt es auf dem iPad auch eine Schweizer Qualitätszeitung zu lesen. Und da mittlerweile so manche Apps kritisiert und geradezu verrissen wurden, konnte es ja nur noch besser kommen. Doch die lang ersehnte App hinterlässt nichts ausser Ratlosigkeit - und eine grosse Enttäuschung.

 
  • «Das Medien-Entwicklungsland Frankreich macht die besseren Medien-Apps»
Schriftgrösse unendlich – trotzdem scharf. Da kommen die Pixel der Bilder nicht mehr mit…
Schriftgrösse unendlich – trotzdem scharf. Da kommen die Pixel der Bilder nicht mehr mit…
Einzeln als Tagesausgabe zu kaufen, im Vergleich zur Mindestabodauer von drei Monaten bei der NZZ
Einzeln als Tagesausgabe zu kaufen, im Vergleich zur Mindestabodauer von drei Monaten bei der NZZ

Was an der neuen Applikation der Neuen Zürcher Zeitung für das iPad auffällt, ist zunächst die Preisgestaltung: 111 Franken für drei Monate. Ein stolzer Preis. Für den gleichen Zeitraum kostet die gedruckte NZZ 154 Franken. Weitaus störender als die hohen Abokosten ist, dass keine einzelne Tagesausgabe gekauft werden kann. Mit dem hochpreisigen Abomodell will die NZZ ein Geschäftsmodell, wie man es von den Printverlagen kennt, an der digitalen Realität vorbeischleusen. Dabei zeichnet sich das digitale Mediennutzungsverhalten doch gerade dadurch aus, dass selektiv und mit einer grossen internationalen Auswahl je nach Lust und Laune Angebote konsumiert werden können. Ein Beispiel ist die französische Sportzeitung l'Equipe, die auf dem iPad Tagesausgaben zu einem vernünftigen Preis anbietet.

Katastrophale Auflösung

Neben dem hohen Preis und dem Abo-Zwang ist vor allem die Qualität zu bemängeln. Die Zeitung, die als digitales Äquivalent der gedruckten Ausgabe daherkommt, ist qualitativ zu schlecht, um eine angenehme Lektüre zu ermöglichen. Die Zeitung lässt sich nicht beliebig vergrössern. Die maximale Grösse ist schlicht zu klein. Vielleicht hat das mit der katastrophalen Auflösung zu tun. So wird, wenigstens in der Demo-Version, die Schrift unscharf dargestellt. Dass es auch anders geht, ist am Screenshot (links) der l'Equipe zu erkennen. Auch bei hoher Vergrösserung erscheint die Schrift gestochen scharf – sogar dann, wenn das Bildmaterial schon lange nicht mehr mithält und verpixelt dargestellt wird. 

Obschon viele Nutzer iPad-spezifischere Aufbereitungen erwartet hätten - gegen eine einfache «E-Reader-Version» spricht vorerst nichts. Denn die Anbieter sollen sich ruhig Zeit lassen, um eine ausgereifte, multimediale und anwenderfreundliche Applikation zu programmieren. PDFs sind für den Moment in Ordnung – aber das absolute Minimum ist in einem solchen Fall eine hochauflösende Version.

Best Practice kommt aus Frankreich

Wie man es besser macht, wurde an dieser Stelle vor einigen Tagen beschrieben (siehe Artikel über die App von Radio Monte Carlo). RMC bietet eine der besten Medien-Apps, die es derzeit auf dem iPad gibt. Bezeichnend ist, dass ausgerechnet ein Radio alle Printangebote übertrumpft. Aber auch die l'Equipe bietet ein Angebot, das um Welten besser ist als dasjenige der NZZ. Vielleicht wird das Angebot der NZZ rasch nachgebessert, vielleicht handelt es sich auch erst um eine «Betaversion». Anders ist der Auftritt der NZZ fast nicht zu erklären.

iTunes Links zu den erwähnten Apps

 
 


Bild von suldan

billiges Scan to PDF?

Sieht in meinen Augen wie ein billiges Scan to PDF aus. Während Text in PDF's dank Vektorgrafik unendlich skalierbar ist, gilt dies natürlich für Bilder (ausser es handle sich um Vektorgrafiken) nicht. Layouten kostet halt Zeit, und Zeit ist Geld - machen wir es doch richtig. Richtig billig.