Die Steve Jobs Biografie von Walter Isaacson

Mit Wutausbrüchen, Zen und Äpfel zum Erfolg

Mit Wutausbrüchen, Zen und Äpfel zum Erfolg

Eigentlich habe ich mit Apple und mit Steve Jobs nichts am Hut. Warum habe bloss dieses Buch gekauft? Doch nicht etwa weil es schön aussieht und gut in der Hand liegt...?

 
  • «Ich sehe aber nicht was es bringen sollte, unsere Musik-App auf Android bereitzustellen - ausser natürlich, dass es Android-User glücklich machen würde. Und ich möchte Android-User nicht glücklich machen.»
Die Steve Jobs Biografie von Walter Isaacson
Die Steve Jobs Biografie von Walter Isaacson

Ich war nie und werde vermutlich nie der Besitzer eines Apple-Gerätes sein. Ich mag einfach keine geschlossenen Systeme und zudem scheine ich ziemlich resistent gegenüber Marketing aus Cupertino zu sein.

Aber auch Befürworter offener Systeme müssen etwas staunend feststellen, dass die hübschen Dinger mit dem Apfel drauf, sich gut verkaufen. Wie lässt sich dieser Erfolg erklären? Vielleicht bietet die Steve Jobs Biografie von Walter Isaacson Antworten auf diese Frage:

Steve war kein netter Mensch. Er behandelte Mitarbeiter, Konkurrenten und Konsumenten respektlos, und er war stur und egozentrisch. Über sowas wie Empathie verfügte Jobs anscheinend nicht, und Walter Isaacson schrieb abschliessend in seinem Buch über ihn: “Dieser Zug machte ihn, [...], um die Sache beim Namen zu nennen, bisweilen zu einem Arschloch”.

Aber nicht alle A. sind erfolgreich, und man muss fairerweise sagen, dass sich diese Eigenschaft bei Steve Jobs und seiner Umgebung nicht nur positiv ausgewirkt hat. Dennoch war es der sture Pedant, oder um es positiv auszudrücken, der Perfektionist der einen neuen Masstab für Qualitätsstandards setzte.

Ebenfalls einen neuen Standard setzte Jobs in Sachen Design. Während andere Technologiefirmen um die technischen Komponenten eine Hülle bauten, war es bei Apple gerade umgekehrt. Die Technologie musste sich dem Design anpassen. Dies war sehr umständlich und teuer, zumal ein launischer Jobs auch mal kurz vor dem Release etwas am Design ändern lassen konnte. Aber das Design wurde zum Markenzeichen der Apple-Produkte (und deren Verpackung) und zum tragenden Pfeiler des Apple-Imperiums.

Steve Job hatte ein ausgeprägtes Gespür für Talente, und er scharte die Besten der Besten um sich. Während Jobs ein intuitives, ja manchmal realitätsfremdes, zen-artiges Gefühl von Funktionalität und Design, von Richtig und Falsch hatte, setzten die Talentierten seine Visionen unter Schelte und Beleidigungen um.

Während er die Menschen um sich unmenschlich behandelte, war seine Liebe zum Produkt grenzenlos. Man könnte von wahrer Liebe reden. Mit dieser Leidenschaft konnte Jobs die Mitarbeiter anstecken. So entwickelte Apple die Produkte nicht für irgendwelche anonymen Endnutzer (er betrieb ja keine Marktforschung) sondern für sich. Sie bauten ihre eigenen Spielzeuge.

Wer von seinem eigenen Produkt derartig begeistert ist, dem fällt es auch nicht schwer es der Welt vorzustellen. Jobs war der Meister der Inszenierung. Seine Produkteeinführungen sind Legende. Aber auch hier steckte ein pedantischer Steve Jobs dahinter, der seine Mitarbeiter und Partner zur Weissglut bringen konnte. So setzte Jobs auch in Sachen Marketing Standards, nicht zuletzt mit dem Macintosh Werbefilm von 1984vom Regisseur Ridley Scott.

Zurückblickend erstaunt es dann auch wenig, dass Steve Jobs dann auch für den Vertrieb neue Standards setzte. So hat Steve Jobs eigens eine Lagerhalle gekauft um dort einen Prototyp des Applestores zu entwickeln. Die geschwungene Glastreppe liess er durch Patente schutzen, und die Bodensteine holte er aus einem Steinbruch in Italien.

Zu diesem Zeitpunkt war Apple im Vergleich zu Microsoft aber noch immer klein. Die Welt nachhaltig erschüttert hat erst die Kombination iPod - iTunes sowie sein «Verhandlungsgeschick» mit der Musikindustrie. Ähnliches läuft seither auch mit dem iPad und den Verlegern. Mit der digitalen Dreifaltigkeit Hardware, Software und Medien hat sich Steve Jobs einen Hauch von Unsterblichkeit erarbeitet.

All dies führte zu einer gut verarbeiteten, äusserst ästhetischen und tadellos funktionierenden digitalen Gesamtlösung welche gnadenlos gut vermarktet wurde. So gut, dass die Endnutzer über ein paar Restriktionen und Zensuren hinwegsehen können.

Und wer jetzt meint, dass alles wäre auch ohne Steve Jobs möglich gewesen, dem kann ich nur wärmstens empfehlen dieses Buch zu lesen.

Ein tolles Buch über Steve Jobs als Menschen, aber auch über die Geschichte des Personal Computers und den Lifestyle im Valley. Mit vielen interessanten Interviews und Zitaten, wie zum Beispiel dieses Zitat von Bill Gates, als Antwort auf den Vorwurf Microsoft habe Apple die Idee mit der graphischen Benutzeroberfläche geklaut:
«Weisst du Steve, dass ist so als wäre ich bei unserem Nachbar eingestiegen um ihn auszurauben, um dann zu bemerken, dass du bereits da warst.»

Oder Jobs über die Beliebtheit von iTunes auf Windowsrechner: «Na ja, das ist auch nicht mehr, als wenn man einem Verdammten in der Hölle ein Glas Eiswasser gibt.»

Bis in die Unendlichkeit und noch viel weiter...