Drei Bands, eine Plattenfirma – von Abzockern und Sympathieträgern

Gratis Live Album von Coldplay
Gratis Live Album von Coldplay

Das erste Jahrzehnt des Millenniums hat und wird einen Wendepunkt markieren für Industrien, die ihr Monopol auf den Produktions- und Publikationsmitteln verloren haben – so auch für die Musikindustrie.

 
  • «Aufmerksamkeit statt Geld»
Für kurze Zeit für einen freiwilligen Beitrag erhältlich: «In Rainbows» von Radiohead
Für kurze Zeit für einen freiwilligen Beitrag erhältlich: «In Rainbows» von Radiohead
Ist nicht mehr ganz aktuell und stürzt häufig ab – wenigstens den guten Willen bewiesen.
Ist nicht mehr ganz aktuell und stürzt häufig ab – wenigstens den guten Willen bewiesen.
Fanfoto der Nine Inch Nails Tour 2009
Fanfoto der Nine Inch Nails Tour 2009

Als man beim Probehören noch rauchen durfte

Eine Sendung von DRS 3 Input vom Sommer 2009 schaut noch einmal zurück – zurück auf die goldenen Zeiten, in denen CD-Händler wie Alec von Tavel mit dem Verkauf von Tonträgern ein gutes Geschäft gemacht haben. Und es ist auch ein persönlicher Blick zurück in meine Erinnerungen, als ich mich beim Schule schwänzen am liebsten im «Laser» in der Freiburger Altstadt aufgehalten habe. Wo ich in einem CD-Geschäft auf zwei Stockwerken aus tausenden von CD's auslesen konnte, Raritäten entdeckt habe, und – wo man während dem Probehören sogar noch im Geschäft rauchen konnte. An der Theke gab es nämlich neben der Kabelfernbedienung auch einen Aschenbecher. Die Zeiten haben sich aber in kurzer Zeit dramatisch geändert. Das man im Mediamarkt nicht rauchen kann, stört wahrscheinlich niemanden. Dass aber Experten und Verkäufer mit Herzblut wie Alec von Tavel keine Geschäftsgrundlage mehr haben, zeigt die deutlichen Veränderungen der Musikindustrie.

EMI lieber ohne Gratis

Seit die CD-Verbkäufe einbrechen, suchen Musiker nach anderen Vertriebswegen – während sich gleichzeitig die Musikindustrie mit aller Macht gegen die Veränderungen stemmt. Beispiele von Nine Inch Nails, Radiohead oder Coldplay zeigen, dass sogar grosse internationale Bands alternative Wege suchen. Gerade das Beispiel von Coldplay, die ein Live-Album als Dank für die Treue der Fans veröffentlichten, zeigt, dass die Plattenlabels solche Aktionen kaum gerne sehen. Der Hinweis auf den Gratis-Download des Albums fehlt auf der Seite von EMI, der Plattenfirma von Coldplay. Kein Wunder, schliesslich geistert eine Zahl von 10 Millionen Euro durchs Internet, die man mit einer Veröffentlichung des Albums hätte verdienen können. Doch vielleicht wird so eine Aktion tatsächlich auch Erfolg haben. Nicht unmittelbar in der Währung Geld zwar, dafür mit der neuen Währung Aufmerksamkeit. Ganz sicher ist es eine sympathische Geste von Coldplay. Ich selber war ein absoluter Coldplay Fan zu Zeiten der ersten beiden Alben «A rush of blodd to the head» und «Parachutes». Für mich ist Coldplay mittlerweile aber «verbraucht» und ich war von den Neuveröffentlichungen immer enttäuscht. Das Live-Album ist aber auch bei mir in iTunes gelandet. Und angesteckt vom Hören der Live-Tracks habe ich mir andere, ältere Songs wieder angehört. Coldplay hat so zumindest bei mir wieder Aufmerksamkeit erzeugt.

Iron Maiden auf Abzockertour

Die Aufmerksamkeit, die sonst von der Musikindustrie erzeugt wird, ist vor allem eines – sehr negativ. Jüngstes Beispiel ist die Abmahnung der Band Iron Maiden, die sich auf Second-Hand-Verkäufe ihrer CD's eingeschossen haben. Ein Iron Maiden Fan in Deutschland wurde von Anwälten abgemahnt, weil er eine seiner alten Iron Maiden CD's auf Ebay für 3 Euro verkaufte. Mit dieser Aktion war der Fan dann ganz schnell keiner mehr. Er hat die «Strafe» von 100 Euro bezahlt, und alle seine alten Iron Maiden CD's zerstört und der Anwaltskanzlei zugeschickt. Und hat weitere 100 Euro der Piratenpartei gespendet. Warum eine Industrie, die sich im Moment am Abgrund bewegt, sich zu solchen Aktionen hinreissen lässt, ist mir schleierhaft. Iron Maiden hat mit dieser Aktion, multipliziert mit den negativen Gefühlen, vielleicht gleich viel Aufmerksamkeit erzeugt wie Coldplay, einfach negative. Und wenn man die Beispiele von Coldplay und Iron Maiden zusammenrechnet, die beide bei der Plattenfirma EMI unter Vertrag sind, haben die Aktionen in der Summe eine Null als Resultat erzeugt. «In Rainbows», das Album, welches Radiohead als Download mit freiwilliger Bezahlung Ende 2007 zur Verfügung stellte, war das erste Album von Radiohead nach ihrer Trennung von EMI.

Aufmerksamkeit

Schon ganz gelöst von einer Plattenfirma hat sich auch die Band Nine Inch Nails. Und die Band spielt konsequent mit der neuen Währung Aufmerksamkeit. Von Nine Inch Nails muss kein Fan befürchten, dass er wegen einem hochgeladenen YouTube Video verklagt wird. Im Gegenteil, schliesslich fördert Nine Inch Nails ganz bewusst die Verbreitung ihres Materials. Für die aktuelle NIN/JA Nordamerika-Tour hat die Band eine sogenannte «relaxed camera policy» verfügt. Wer nicht gerade mit externem Stromgenerator und einer TV-Crew ans Konzert auftauchte, durfte Audio, Bilder und Videos aufnehmen. Wo hat man so was schon einmal an einem Konzert gesehen? NIN hat auch eine iPhone Applikation, mit Bild- und Tonmaterial. NIN machen vor, wie man mit den Fans umgeht und bieten einen echten Servic

Up's:

Radiohead, Coldplay, Nine Inch Nails, Rauchen in CD-Geschäften

Down's:

EMI, Iron Maiden, CD-Geschäft

Links: