Whitestyle Open 2010 in Mürren, meine persönlichen Eindrücke


Irgend ein Teufel hat mich geritten zu fragen, ob ich fürs Whitestyle Open 2010 in Mürren bei Toebu übernachten darf. Ich wollte mir die Veranstaltung mal anzusehen. Vielleicht war es reine Neugier, denn ich kenne diese Szene und den Sport eigentlich überhaupt nicht, vielleicht auch etwas anderes. Sei es wie es will, der Samstag war da.

Die Anderen gingen voraus, ich wollte noch etwas länger ausruhen, so wurde mir gesagt: "Komm einfach nach. Frag wo der Kicker ist, falls du es nicht findest." Mein erster Gedanke: 'Was zur Hölle ist ein Kicker?' In meiner etwas naiven Vorstellung sehe ich eine Person vor mir die den Wettkämpfern in den Arsch kickt. Na ja, bei der Vorstellung frage ich besser nicht nach - ich werd das schon finden - Mürren ist ja keine Grossstadt. Es stellt sich heraus, dies war Teilweise ein Irrtum, denn als ich durch die Ortschaft wandere und die Leute mit einem 'Morge oder Grüess'ech begrüsse erhalte ich manch einen schrägen Blick. Zu viele Touristen? Oder erkennt man gleich den Fremden in mir? Ich entscheide mich für die Variante "zu viele Touristen", schalte den Stadtmodus ein und laufe an den Leuten einfach vorbei.

Mein erster Orientierungspunkt ist die Seilbahn. Wenn, dann ist dort sicher eine Art Signalisation angebracht, welche mich dem Event näher bringt. Mein Instinkt täuscht mich nicht, schnell sehe ich einige Zelte. Etwas enttäuscht stelle ich fest, das dies Zelte sind, wo man Material testen kann, Skis und Snowboards. Ich schau mich weiter um und entdecke einen Wegweiser. Etwas missmutig stelle ich fest, dass ich erst einmal die falsche Richtung eingeschlagen habe. Aber hey, ich hätte ja fragen können. Ich laufe also meines Weges und entdecke Toebu. Schnell erkenne ich, das auch er den Stadtmodus eingeschaltet hat und einfach vor sich hin flaniert ohne sich umzusehen. Ich spreche ihn an und er zeigt mir den Weg zum Kicker. Der Kicker ist also eine Schanze. Das hätte ich mir doch irgendwie denken können und schmunzle innerlich ob meiner ersten Vorstellung. Wir setzen uns hin und genehmigen uns ein Bier. Wie an vielen anderen Veranstaltungen bei denen ich dabei war (Konzerte / Eishockeymatches) liegt auch hier der etwas süssliche Geruch von verbranntem Gras in der Luft. Mir fallen dazu dutzende Klischees ein, und ich kann mir ein Lächeln nicht verkneifen.

Nach einer Weile meldet sich erstmals der Sprecher zu Wort, er erklärt das freie Training für eröffnet. Einige Teilnehmer machen sich auf den Weg nach oben. Hinter mir Aahs und Ooohs, endlich geht etwas. Nach dem sonnigen Vormittag ziehen nun einige Wolken auf, ein Omen?. Gespanntes Warten, alle sehen den weit entfernten Gestalten auf dem Hang zu. Nichts tut sich. Die Menge fragt sich langsam ob sich keiner als Erster traut. Ehrlicherweise stelle ich mir dieselbe Frage. Jetzt, der Erste startet, nimmt Tempo auf, kommt auf den Sprung zu uuuund bremst ab... Hinter mir Gelächter: "Der traut sich ja nicht!" Ich denke mir, ich hätte mich auch nicht getraut. Erstmal Testen wie schnell der Hang ist und sich langsam herantasten. Das ist, was in der Folge des Trainings auch geschieht. Die meisten tasten sich an den Kicker ran. Den Speed ertasten, den Flug spüren. Manch einer überschätzt sich, und erntet einen Sturz, andere spüren den Hang, den Kicker und trauen sich was. Immer wieder wiederholt der Sprecher das es sich um einen selektiven Kicker handelt. Selektiv ist hier wohl das Synonym für schwer. Auf jeden Fall sehe ich viele Stürze. Fürs Publikum sicher attraktiv, aber auch für die Teilnehmer? Reihum gehen sie wieder nach oben, soweit ich mitbekommen habe war ein Verletzter im Training zu beklagen. Nennt man Verletzte in diesem Sport überhaupt? Ich wünsche ihm hiermit gute Besserung und mehr Glück beim nächsten Sprung. Wie in vielen Sportarten ist es die Routine und das Quäntchen Glück das einen Erfolg von einem Misserfolg oder Sturz unterscheidet. Im Judo würde es heissen, lerne erst zu fallen dann zu werfen. Immer Routinierter springen die Teilnehmer, dennoch wird der Sprung entschärft. Er war wohl doch zu selektiv. Das Training ist vorbei, ich geh mich eine Weile hinlegen, beim Rückweg nehme ich die Worte einiger Einheimischen war: "Scho es eiget's Völchli." Irgendwie stimme ich da zu, aber ich denke dies liegt an meinem Alter.

Am Abend sehe ich noch einen Teil des Finales, viele spektakuläre Sprünge, die für spektakuläre Fotos in den Zeitungen sorgen... Auf eine Art fand ich das Training spannender.