Der verkaufte Sonntag

Der «Sonntag» vom 10. Januar 2010 verkauft seine ganze Titelseite an Ford.
Der «Sonntag» vom 10. Januar 2010 verkauft seine ganze Titelseite an Ford.

Was für ein Aufmacher im «Sonntag» vom 10. Januar: «Wissen Sie, wie viel ihr altes Auto wert ist?», neben dem Anriss der geheimen Ausbauplänen von Post-König Béglé. Die von Ford beworbene «difference» ist fühlbar, wenn man sowas in den Händen hält.

 
  • «Fühle die Differenz»

Bisher habe ich ja immer nur davon gelesen, dass es Zeitungen gibt, die ihre ganze Front verkaufen. Und heute habe ich mir nach einigen Wochen wieder einmal eine Sonntagszeitung gekauft, ohne die Anrisse und Titelstory zu sehen, um diese in meine Kaufentscheidung einfliessen zu lassen. Das ganze Ausmass habe ich dann erst zu Hause entdeckt. Auf Seite drei dann fängt der «Sonntag» aber noch einmal an, comme il faut. Aber das sind zwei Seiten zu spät. Als Leser fühle ich mich verkauft, wenn neben den eh schon dicken Werbe-Beilagen jetzt auch noch die Titelseite so gruslig daherkommt.

Krise auch am Sonntag?

Ich dachte immer, dass vor allem die Tageszeitungen von der Krise betroffen sind. Magazine, Wochen- und eben die Sonntagszeitungen werden doch eher als Beispiele genannt, die noch ein einigermassen funktionierendes Geschäftsmodell haben. Nämlich eine dicke Zeitung, die Hintergründe liefert, und eben über das Tagesaktuelle hinaus aktuell ist. Schliesslich lese ich auch nicht immer eine ganze Sonntagszeitung am Sonntag, sondern nehme den einen oder anderen Bund noch in den Montag mit.