Ei, ei, ei Mussolini

Von Null auf Eins, und wieder zurück: iMussolini aus dem App-Store entfernt
Von Null auf Eins, und wieder zurück: iMussolini aus dem App-Store entfernt

Die i-Welle erfasste auch den italienischen Diktator Benito Mussolini. Die iPhone Applikation iMussolini war im italienischen App-Store der absolute Kassenschlager und während Tagen die meistverkaufte App – bis sie vom Entwickler Luigi Marino aus dem Store entfernt wurde.

 
  • «Urheberrecht und jüdische Organisationen schlagen drauf»
Nach dem Rückzug von iMussolini aus dem App-Store sind die Wallpapers wieder auf
Nach dem Rückzug von iMussolini aus dem App-Store sind die Wallpapers wieder auf Platz 1
Die Umsetzung von iMussolini war nicht sehr schön – im Bild eine Liste der Audio
Die Umsetzung von iMussolini war nicht sehr schön – im Bild eine Liste der Audio-Dateien
Mussolinis Reden gab es in Form von Texten, O-Tönen und Videos
Mussolinis Reden gab es in Form von Texten, O-Tönen und Videos

Als Grund nannte Marino urheberrechtliche Probleme mit dem italienischen Filmstudio Cinecittà Luce, dem Rechteinhaber. Weitere Probleme gab es auch mit jüdischen Gruppierungen. So meldete sich laut heise.de die US-amerikanische Vereinigung der Holocaust-Überlebenden, die meinte, die iMussolini App beleidige das Andenken aller Opfer des Nationalsozialismus.

Kein Rassismus

Verzeihung – aber das ist natürlich Blödsinn. Es geht hier auch gar nicht um die Frage, ob Mussolini genau so schlimm wie Hitler war, also um die Argumentation, dass Mussolini ja gar keine Juden verfolgte (oder nur erst spät). Die Applikation mit Reden, Video- und Tondateien des «Duce del Fascismo» ist eine sehr interessante Variante, zeitgeschichtliche Dokumente zu präsentieren. Mussolini war eine, wenn nicht entscheidende, aber trotzdem wichtige Figur der Zeitgeschichte und des zweiten Weltkrieges. Der Faschismus ist eine Staatsform, die, vom Namen her, ihren Ursprung im Italien des Benito Mussolini hat. Die geschichtliche Forschung um den Faschismus ist wichtig und relevant. Dazu gehört auch die Analyse von zeitgeschichtlichen Dokumenten. Natürlich hatten in Italien viele Faschisten und Rechtsradikale Freude an der iMussolini App. Und natürlich wird kein Geschichtsprofessor mit dieser App arbeiten. Aber für viele geschichtsinteressierte ist diese Applikation eine multimediale Möglichkeit, einen wichtigen Teil der italienischen Geschichte audiovisuell zu erfahren.

Schlechte Umsetzung

Von der Umsetzung war die Applikation übrigens nicht sehr «hübsch» gemacht. Luigi Marino hat sich kaum an Apple Designstandards gehalten. Ich persönlich hoffe, dass diese App wieder erscheint, und dass auch andere Programme mit geschichtlichem Original-Material ihren Weg in den App-Store finden.